Karin's Blog

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Über den Blog

In diesem Blog halte ich das fest, was mir wichtig ist, aber nicht zu privat. Vorrang hat dabei sicher die Ausbildung meines Pferdes Prinz, sowie meine anderen Tiere, die Hennen, Katzen und Fische.

Erster Cow Working Kurs für Prinz

Prinz (Little Prince)Posted by Karin Fri, July 12, 2013 10:41:21
Nachdem ich vor zwei und drei Jahren mit Krim schon dabei war, war dieses Jahr erstmals mit Prinz ein Cow Working Kurs angesagt.
Mit 10 Teilnehmern voll ausgebucht starteten wir am Samstag noch bei etwas regnerischem Wetter in den dreitägigen Kurs.
Pferde und Menschen kamen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund und Vorkenntnissen. Vom Wissen, wo eine Kuh anfängt und endet, bis hin zum Routinier, der schon mehrmals an solchen Kursen war. Die Pferderassen waren genauso unterschiedlich. Neben den zu erwartenden Appis, Quarters und Paints war da ein Friese, ein Araber, eine Fribi-Stute, ein grosses Warmblut, eine Tinkerstute und vieles mehr. Mein Prinz als Quarter x Warmblut passte nahtlos da rein.

5*Parelli Master Instruktor Berni Zambail gelang es wunderbar, all diese Vielfalt mit einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Die Theorieblöcke wurden so gehalten, dass sich die alten Hasen nicht langweilten, und die Neulinge dennoch eine solide Basis vermittelt bekamen.
Mit sehr lehrreichen und lustigen Simulationen ("Ich war noch nie der Hintern der Kuh! Wer will mal die Nase des Pferdes sein?") auf dem Reitplatz wurde allen bewusst: ein Kinderspiel ist das nicht.
Aufgewärmt wurde wie immer vom Boden aus, aber bereits auf der Trainingswiese mit den 10 Rindern und dem Muni in Seh-, Riech- und Hörweite. Unter dem Sattel ging es jeweils mit Simulationen weiter, paarweise wurde "Kuh und Cowboy" gespielt. Die wichtigen Manöver wie feines und engagiertes Stoppen, flinkes (aber nicht hastiges!) Wenden auf der Hinterhand und wieder "Gas geben" sowie das Reiten mit Stellung zur Kuh (Schulterherein, Schenkelweichen und Co sind nicht nur auf dem Dressurplatz wichtig!!) wurde ebenfalls noch ohne Kühe geübt.

Dann aber, wenn die Pferde und Kühe sich kaum mehr beachteten und die Reiter ihre Manöver und Hilfen beisammen hatten, ging es an die Rinder. Die vermeintliche Krönung, und belohnt mit perfektem Wetter. Rinderherde von A nach B bewegen. Rinder zusammen halten. Jeder Reiter mitten durch die Herde reiten, restliche Cowboys halten sie zusammen. Dann immer schwieriger: Rinder in ein Viereck aus 4 Baumstämmen manövrieren. Herde teilen und aufs Talü oder um Fässer manövrieren. Einzelnes Rind aussortieren und von der Herde weg halten. Es anhalten, wenden und hinter die Abschrankung (gebildet durch die restlichen Reiter) lassen. Wow!

Die wirkliche Krönung schenkten uns aber die Besitzer der Rinder am dritten Tag: Acht 10monatige Kälber plus drei Kühe sollten aus der riesigen Hauptherde (uff, was waren das wohl? 50 Tiere? Gefühlte 10'000...) aussortiert werden, sie würden am nächsten Tag geschlachtet werden – auch das gehört zum Cowboy-Leben (die Zeit, die sie in Mutterkuhhaltung auf dieser riesigen Weide verleben durften, werden sie aber genossen haben). Nach noch ein paar kniffligen Übungen an unserer (unterdessen äusserst pferdegewohnten) Trainings-Herde ging es also in die grosse Herde. Absteigen nicht erlaubt, die Kühe kennen und tolerieren zwar Pferde, nicht aber fremde Zweibeiner, die in ihrem Territorium rumdackeln. Erste Hürde: Welches sind um Himmels willen die auszusortierenden 10 Monate alten Tiere?? Da waren winzige Kälbchen und riesige Kühe, und alle möglichen Grössen dazwischen. Wie gut, dass uns Besitzerin Brigitta Boschung jeweils zurief, welche als nächste dran war. Wir Reiter mussten schnell erkennen, dass trotz aller Vorbereitung so ein "richtigeres" Arbeiten mit den Rindern, Kälbern und Kühen nicht so einfach ist. Erstens darf die Herde nicht zu sehr in Bewegung geraten, damit kein Kälbchen unter die grossen Tiere gerät. Zweitens quittieren die aussortierten wie auch die Muttertiere unsere Versuche mit lautem Muhen, was eine Verständigung untereinander sehr viel schwieriger machte. Und drittens bedeutet eine grössere Herde auch, dass jeder Reiter eine grössere Strecke absichern musste, um die Tiere zusammen zu halten. Uns gelang es zwar, das richtige Tier aus der Herde zu sortieren, nur schaffte es immer den Weg von hinten zurück in die Herde. Aber Berni Zambail achtete auf Stressvermeidung auch bei den Kühen, drum die Planänderung: Statt die aussortierten Tiere in einer zweiten Mini-Herde auf der Weide zu lassen und danach alle zusammen zum grossen Tor zu bringen, bringen wir jedes einzelne Tier sofort zum Tor, damit es nicht wieder in die Herde zurück flitzt. Als erstes wurde eine Mutter mit Kalb gewählt, so dass nie ein Tier ganz allein sein musste. Mit diesem neuen System gelang uns die Sortiererei ganz passabel, und die Freude und der Stolz danach waren unbeschreiblich. Danke an die Besitzer, Ruedi und Brigitta Boschung (www.fohlenweid.ch) für diese unglaubliche Möglichkeit!

Meine wichtigsten Erkenntnisse:
• Mit langsam durch die Herde reiten ist wirklich seeeeeehr laaaaangsaaaaam gemeint. Ein Schritt, warten was passiert. Noch ein Schritt, nochmals warten. Kopf des Pferdes auf eine nahe Kuh ausrichten. Warten. Halber Schritt zurück, warten. Und so weiter. Einmal zu schnell, und die Herde kreiselt um dich rum wie ein Strudel. Nur ist warten auf einem Pferd, mitten zwischen all den Tieren, gar nicht "ganz ohne" ;)
• Konkrete Aufgaben geben Sicherheit durch Fokus und ein gemeinsames Ziel. Prinz und ich sind im Schritt über das Talü (je 50cm rauf und v.a. wieder runter), zackig auf den Zaun zu getrabt und Vollstopp im letzten Moment (damit das Rind sich nicht zwischen Pferd und Zaun davonmacht), ein Baumstämmli gesprungen, dem anfangs bösen Waldrand entlanggetrabt, mitten zwischen Pferden und Kühen galoppiert, gestoppt, gewendet, wieder losgetrabt... Es war herrlich. Ähnlich wie Wanderritte und Reitferien schweisst ein solcher Kurs unglaublich zusammen. Mensch und Pferd entwickeln eine Art "natürlichen Ehrgeiz", gemeinsam eine Aufgabe zu erledigen. Bei Prinz merkte ich erst ganz leicht, dass er selber die Aufgabe zu erkennen begann. Plötzlich wird das Bremsen schwierig, weil er die Kuh weiter treiben will als ich es vorhabe. Oder er wendet zu schnell, weil er begriffen hat, dass er wenden soll, wenn das Rind wendet. Selbst diese kleinen Anzeichen fühlten sich grossartig an, und bei anderen Pferd-/Reiterpaaren, die schon mehr Erfahrung hatten, war das super deutlich zu sehen und sehr eindrücklich.
• Auch ein Cowboy muss die Lektionen vom Reitplatz beherrschen. Ich durfte einen neuen Sinn hinter vielen Manövern erkennen.
• Prinz und ich sind beim nächsten Mal ganz sicher wieder dabei!