Karin's Blog

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Über den Blog

In diesem Blog halte ich das fest, was mir wichtig ist, aber nicht zu privat. Vorrang hat dabei sicher die Ausbildung meines Pferdes Prinz, sowie meine anderen Tiere, die Hennen, Katzen und Fische.

Der Berg nach dem Tal

Prinz (Little Prince)Posted by Karin Tue, December 04, 2012 17:08:17
Welch ein Wochenende, Schnee ohne Ende!

Perfekte Zeit, meinen Blog aktuell zu halten. Insbesondere, da ich ein bewegtes Weekend hinter mir habe.
Angefangen hat's am Donnerstag etwas enttäuschend. Wir hatten gegen 20cm Neuschnee. Die Stallbesitzerin und ich entschieden uns für einen Spaziergang mit den Pferden im dunklen Wald. Da Prinz noch nicht so häufig in dem neuen Gelände unterwegs war, war ich etwas zögerlich, ob ich satteln sollte, tat es dann aber doch. ich bin zwar kurz aufgestiegen, merkte aber sofort, dass Prinz sich nicht wohl fühlte. Statt anzutreten zog er sich zusammen hob leicht die Hinterhand, als müsse er bald losbuckeln. Mit etwas Geduld und ruhiger Beharrlichkeit konnten wir dann zwar losreiten, aber Prinz fühlte sich unter mir an wie ein Roboter auf Valium, so abgehakte, zögerliche Bewegungen. Nach einigen Metern hab ich ihn dann erlöst. In dem Moment war das für mich eigentlich nichts Dramatisches, aber dann zuhause beim Drübernachgrübeln war ich schon arg deprimiert. Ich war traurig darüber, dass Prinz mir nicht genug vertrauen konnte und nicht selbstsicher genug war, diesen Schritt-Ausritt im Wald zu meistern.

Gottlob hatte Linda Parelli mal in einem Artikel geschrieben, dass man mal versuchen sollte, jedes Tal nur als Ankündigung eines Berges zu sehen. Ein Tief habe ihrer Beobachtung nach sehr, sehr häufig kurz darauf zu einem grossen Fortschritt geführt. Ich beschloss also, diese Theorie zu prüfen (und hoffte inständig, schon am Talboden zu sein). Am Freitag Abend ging es also in den Stall, mit dem Ziel, dieselbe Strecke zu spazieren und wenn möglich zu reiten. Diesmal allerdings ohne Begleitung. Ich führte etwas länger als am Tag zuvor, machte unterwegs ein paar Übungen, um die Konzentration zu fördern, und lobte viel.
Nach der Hälfte der Strecke sass ich auf. Und siehe da: Für Prinz war das ein Kinderspiel. Obwohl es rund um uns herum raschelte und knackste (Schnee und ganze Äste fielen von den Bäumen), ritten wir friedlich durch den Tiefschnee. Sogar ein gemütlicher Trab lag drin. Kein Schnorcheln, kein roboterhaftes Stakato, nix. Tempo regulieren ging plötzlich wieder über den Sitz.

Am Samstag dann entsprechend motiviert wieder zum Pferdchen. Diesmal stand ein Ausritt in Begleitung des 6jährigen Wallachs mit Besitzerin auf dem "Speiseplan". Und siehe da: Auch das ist null Problem! Fast eine Stunden schritten wir mitsamt Hund durch den Wald, grösstenteils noch gemütlich am langen Zügel.

Am Sonntag dann für mich der ganz grosse Hit: Bei der Bodenarbeit auf dem Platz (wieder in Begleitung des Gspänli und dessen Besitzerin) fühlte ich mal wieder dieses sprichwörtliche Band. Prinz schien meine Gedanken zu erraten und bot fast mehr an, als ich erhoffte oder gar erwartete. Also nahm ich ihm kurzentschlossen das Halfter ab, band ihm den Savvy String um den Hals und kletterte auf seinen Rücken. Das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich ein komplett "nackiges" Pferd, also ohne Sattel oder Halfter, geritten bin. Wir trabten sogar mehrmals, alles tiptop. Tempokontrolle war kein Thema, nur die Steuerung ist so ganz ohne Zügel manchmal noch etwas wackelig.

Dann gestern noch eine tolle Stunde auf dem Viereck, ohne Sattel dafür mit Zaum – auch einmalig schön. Viiiiiel Trab, inkl. leicht zurücknehmen und dann wieder verstärken. War suuuuper, im Schneegestöber.

Für mich beweisen die vergangenen Tage einmal mehr, dass es sich lohnt, auf die Bedürfnisse des Pferdes Rücksicht zu nehmen, ihm zuzuhören und nicht jedes "Nein" des Pferdes gleich als Widersetzlichkeit zu deuten.